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Quelle: Jens und Ulf von R.O.T.K.Ä.P.C.H.E.N.
Bericht von der Demonstration
Nach einer unglaublichen Vorbereitung durch das bündnis gegen rechts, das von Leipzig aus seine Informationen und die ca. 30 Veranstaltungen in anderen Städten vorbereitete, um Aufklärung über die derzeitige, für Antifas unvorstellbare Situation des braunen Terrors im Muldentalkreis zu geben, kann Frau oder Mann den Organisatoren nur noch ein großes dickes Lob aussprechen. Am 16. November 1996 hat eine antifaschistische Demonstration mit über 6000 Menschen, wir müssen es gleich noch mal sagen, ja über 6000 Menschen in Wurzen stattgefunden. Als wir ankamen, Mann und Frau höre und staune ohne Vorkontrolle, war der Bahnhofsplatz schon ziemlich voll. Und es war kaum zu glauben, es wurden immer mehr entschlossene und zielbewußte AntifaschistInnen, die genau wußten, was sie hier wollen. Jedes mal, wenn neue TeilnehmerInnen mit der S-Bahn oder dem Bus anreisten, wurden sie lautstark begrüßt. Der Beginn der Demonstration verschob sich leider, warum eigentlich leider, ist doch ganz normal, nach hinten, weil immer noch TeilnehmerInnen im Stau oder in Vorkontrollen der Römer aufgehalten wurden. Nachdem dann der böse Wolf, oder vielleicht doch besser die Römer, alle unsere Schäfchen weiterfahren ließen, konnte es endlich losgehen. Die Römer, die am Anfang noch die Zähne fletschten und mit ihren so sinnvollen Sprüchen wie: keine Vermummung, keine Seitentranspis, nicht popeln, alle Schnürsenkel zu, wurden in Anbetracht der ständig wachsenden Menge immer blasser und blasser und hielten zum Schluß einen respektvollen Abstand, weil ihr Kräfteverhältnis bestimmt nur auf 3000 Menschen ausgerichtet war. Mit Verspätung ging die Demonstration jetzt endlich los, es formierten sich Ketten, so daß ein riesiger schwarzer Block entstand mit einem kleinen süßen Farbtupfer hinten dran, dem PDS Familienblock. Nun konnte die lautstarke, kraftvolle, kämpferische, konsequente und lustige Demonstration gegen die braune Zone im Muldentalkreis beginnen. Die Straßen waren spärlich von Wurzener BürgerInnen gesäumt. Ob aus Sympathie oder Neugier war leider nicht zu erkennen. Die Faschos und ihre Drahtzieher sowie die einheimischen Politiker waren nicht zu sehen. Dies war auch das beste für sie, ihren arischen Mut hinter den Gardinen oder an den Scheiben zum Ausdruck zu bringen. Die antifaschistische Demonstration in Wurzen, zum Wachrütteln der Bevölkerung, zum Wachrütteln des gesamten Muldentalkreises ist nach unserer Beurteilung gut gelungen. Ob es was gebracht hat, wird die Zeit zeigen. Die Demo kann auch nur der Anfang von einer weiteren kontinuierlichen antifaschistischen Arbeit sein. Sie ist unserer Meinung nach nur der i-Punkt am gesamten Konzept. Jetzt im Nachhinein muß versucht werden, über verschiedene andere Möglichkeiten alternative Lebensformen und Kulturen wieder zu beleben. Kein Fußbreit den Faschisten und Rassisten! Wir werden das nicht dulden! - Wurzen erschütterte, unter 6000 antifaschistischen DemonstrantInnen, die Stadt schien zu beben, man hörte immer wieder Sprechchöre, gegen die Ignoranz der BürgerInnen und der Politik der Bundesregierung. Selbst der Letzte und natürlich nicht zu vergessen Herr Pausch, CDU-Bürgermeister, der einige Tage vor der Demonstration immer noch nichts von einer faschistischen Gefahr mitbekomen hatte, müßte jetzt eigentlich gemerkt haben, was hier im Muldentalkreis so los ist. Was der Herr Bürgermeister von der CDU (Da fällt mir die Frage ein: "Hätte Jesus CDU gewählt?") gut verstanden hatte, war das Panikmachen. So hatten alle Läden, Gaststätten, Tankstellen, Imbißbuden und andere Sachen schon seit dem frühen Vormittag geschlossen. Selbst schuld die Privaten, denn einige von ihnen hätten das Geschäft ihres Lebens machen können. Wir hoffen, daß die Menschen im Muldentalkreis durch diese entschlossene Demonstration vielleicht neue Kraft bekommen haben und sie nicht dieselbe Ausrede mal benötigen, die schon Millionen andere Deutsche benutzt haben: "Wir haben von all dem nichts gewußt." Denn es heißt nicht umsonst, wer schweigt stimmt zu! Und nicht zu vergessen: Nicht nur Paulchen Panther sondern auch wir haben uns auf die Fahnen geschrieben: "Heute ist nicht alle Tage, wir kommen wieder, keine Frage." Jens und Ulf (R.O.T.K.Ä.P.C.H.E.N.): Siehe auch Wurzen - Das Ende faschistischer Strukturen, wie wir sie kennen. |