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Quelle: Pressegruppe 12. Antifa-Workcamp Montag, den 24. 7. 2000
Die Expo im Ganzen
Vom 1. Juni bis 31. Oktober 2000 findet im niedersächsischen Hannover die Weltausstellung
EXPO 2000 statt, deren Spuren auch in der Region Dessau-Bitterfeld-Wittenberg nicht zu
übersehen sind. Unter dem genau so beliebigen wie nichtssagenden Motto
"Mensch-Natur-Technik" wird uns von den Organisatoren vorgegaukelt, die EXPO
könne mittels ihre Projekte und Initiativen dringende Fragen der Menschheit mit lösen
helfen. Dass dem nicht so ist, wollen wir im Folgenden an Hand von acht Kernaussagen
verdeutlichen. Gigantische Summen werden verschleudert, der Filz von Politik und
Wirtschaft ist dichter denn je, und die ganze Fassade der angeblich bürgerfreundlichen
Veranstaltung erweist sich schnell als dass, was sie immer sein sollte: Eine staatlich
unterstützte Werbeshow für die angeblichen Sieger der Geschichte, den Kapitalismus und
die Weltkonzerne.
Weltausstellungen zeigen doch nur die Entwicklung und den Fortschritt der Technik, zum
Wohle der gesamten Menschheit...
So blauäugig sind wir nicht!
Nach dem Motto: "Wir sitzen alle im selben Boot und müssen uns alle ganz doll lieb
haben" versuchen maßgebliche Akteure der EXPO Einigkeit und gemeinsame Interessen
herbeizulügen, wo definitiv keine sind. So sagte der ehemalige Chef der EXPO GmbH Diener
im Jahre 1995: "...Es macht keinen Sinn mehr, uns in erste, zweite, dritte oder vierte
Welt aufzuteilen, wenn wir neue Wege suchen...". Ein Maß an Heuchelei, dessen
Unverfrorenheit kaum noch zu überbieten ist. Natürlich werden auf Weltausstellungen, wie
bereits bei der ersten 1851 in London, technische Neuerungen und der Fortschritt von
Medizin und Wissenschaft dargestellt. Doch die pure Zurschaustellung von technischen
Höchstleistungen reichte schon in der Vergangenheit nicht aus, um diesen Gigantismus
glaubwürdig und attraktiv zu verkaufen. Gemeinschaftsstiftende Mottos können mit einer
langen Tradition aufwarten, bei der Weltausstellung 1958 in Brüssel warben die Macher mit
dem Slogan "Bilanz der Welt - für eine menschliche Welt" nicht etwa für eine
Bekämpfung des Hungers, sondern für die später geächtete Atomenergie.
Die Milchmädchenrechnung: technischer Fortschritt = Lösung aller Menschheitsprobleme hat nur
einen entscheidenden Haken, und dass bereits seit 1851: Das Profitstreben des Kapitalismus.
Denn die Damen und Herren in den Vorstandsetagen werden wohl kaum in einem unerwartet
menschlichen Akt ihre Technologien unentgeltlich den Bedürftigen Staaten und Menschen zur
Verfügung stellen, schließlich ist Mangel und Arbeitslosigkeit gut fürs Geschäft. Diese
bittere Wahrheit bleibt auch bei der EXPO 2000 so!
Die EXPO hilft, die weltweiten Umweltprobleme in den Griff zu bekommen...
Witz komm raus! Du bist umzingelt!
Woran krankt unsere natürliche Umwelt eigentlich? Für die Vorantreiber der EXPO ist die
Sachlage hier völlig klar, das Bösehat nur einen Namen: Überbevölkerung. Es ist
selbstredend leichter, die Fehler bei den dahinvegetierenden Massen zu suchen, die sich
eh nicht wehren können, anstatt die eigenen unter die Lupe zu nehmen. Denn bei den ach so
ökologisch-gewendeten Multi-Konzernen, die zum Beispiel bei der Luftverschmutzung 80%
Anteil haben, ist ein Problembewusstsein weit und breit nicht zu erkennen. In dem schon
wahnwitzigen Glauben, dass der Markt alles regele, werden von den Umweltzerstörern Nummer
eins als "Universallösungen" u. a. die Beschleunigung behördlicher
Genehmigungsverfahren und der Abbau von Handelsschranken gefordert. Schon klar. Durch mehr
Produzieren erholen sich die Regenwälder und Ozeane von alleine und alles ist wieder o.k..
Profitgier und der Schutz von natürlichen Ressourcen passen nicht zusammen, dies hieße
Feuer mit Benzin zu löschen. Solange die Lobbyisten, u. a. in der Stromwirtschaft,
mittels ihrer willigen Werkzeuge in den nationalen Regierungen alternative Energiequellen
blockieren, wird das Siechtum und der Raubbau an der Natur weiter gehen. 3-Literautos,
Windkrafträder und ähnliche Konstruktionen gibt‘s nur auf dem über alles geliebten Markt,
weil damit satte Gewinne realisiert werden können.
Die EXPO bringt Geld und sichert den Arbeitsplatzstandort Bundesrepublik...
Knete kommt rein! Bloß für wen?
Guckt man mal etwas genauer auf die Zusammensetzung des Aufsichtsrates der EXPO GmbH in
Hannover, wird einem schnell klar, wer hier wovon profitiert. In dem illusteren Gremium
sitzen u.a. Robert Büchelhofer (Vorstandsmitglied VW), Eberhard von Koerber (ABB), Dieter
Vogel (Vorstandsvorsitzender Thyssen), Herbert Schmalstieg (OB Hannover), Werner Müller
(Bundeswirtschaftsminister) und Klaus Zwickel (Vorsitzender IG Metall). In der
Geschäftsführung tummeln sich Birgit Breuel (Ex-Treuhandchefin), die bei Ostdeutschen
insbesondere durch den Ausverkauf der hiesigen Wirtschaft einen zweifelhaften Ruf genießt,
und Reinhard Volk (Mercedes Benz). In einem Geflecht von GmbHs jonglieren die EXPO-Größen
mit einem Eigenkapital von 100 Millionen DM. Zu 80% zahlt diese Zeche natürlich der
Steuerzahler. Der Gesamtetat beläuft sich auf gigantische 2,8 Milliarden DM, wobei eine
ausgeglichene Bilanz zwischen Ausgaben und Einnahmen angestrebt ist. Utopisch, da die
Weltausstellungen in den letzten 50 Jahren immer mit einem Defizit
abgeschlossen haben. Solides Wirtschaften ist aber auch gar nicht notwendig, da der Bund
und das Land Niedersachsen für etwaige Schulden bis zu einer Höhe von 600 Millionen DM
eine Haftungsvereinbarung unterzeichnet haben. Die Gretchenfrage schlechthin: Hat sich
dieser immense Aufwand wenigstens für Hannover und die Region ausgezahlt? Fehlanzeige
auf der ganzen Linie! Entscheidende Impulse für den Arbeitsmarkt der Stadt sind nicht
festzustellen, die Mieten explodierten und sozial Schwache wurden nicht selten durch den
EXPO-Wahn aus ihren angestammten Wohnungen oder gar in die Obdachlosigkeit getrieben.
Auf dem Ausstellungsgelände zeigt sich eine Verschwendung und Veruntreuung öffentlicher
Gelder, gegen die alle schwarzen Gelder der CDU wie Kaffeekassen wirken. Eine heimliche
Subventionsoffensive für Konzerne, um sie für die angebliche Globalisierung fit zu machen
und unsinnige Großprojekte, man denke an den kürzlich beerdigten Transrapid, aufzubauschen.
Die kapitalistischen Märchenerzähler, die immer wieder gern den Zusammenhang von
Investitionen und neuen Arbeitsplätzen zum besten geben, haben sich im dunklen Lügenwald
kräftig auf dem EXPO-Pfad verirrt.
Die EXPO hilft, die Geißel der Menschheit, den Hunger, zu bekämpfen...
Wer‘s glaubt, wird selig!
Eigentlich eine Schande sondergleichen, dass es in unserem hochtechnisierten Zeitalter
überhaupt noch Menschen auf diesem Planeten gibt, die auf Grund von Nahrungsmangel sterben
müssen. Wohl eins der größten und meistgenanntesten Ziele der EXPO-MacherInnen ist es,
obengenannter Geißel den Garaus zu machen. Wer jetzt erwartet hat, wirklich neue Analysen
des Problems einschließlich seiner Lösung würden geboten, hat sich grundlegend getäuscht.
Nicht etwa die ungerechte Verteilung von Lebensmitteln und anderen Konsumgütern wird als
Hauptfeind genannt, nein die vielfach wiederlegte Kamelle von der Überbevölkerung wird
bemüht. Alter Dreck in neuen Schläuchen. Es gäbe halt zu viele Menschen auf dem Globus,
kommen dann noch Naturkatastrophen und Missernten dazu, sei die Katastrophe perfekt. Die
Lösungsvorschläge sind so einfach, wie sie perfide und rassistisch sind: Geburtenkontrolle
und Gentechnik.
In keinem anderen Punkt zeigt sich die menschenverachtende Ausrichtung der EXPO so deutlich
wie hier. Zuwenig Fressen für zu viele Menschen ist das tödliche Erklärungsschema. Keine
Silbe von täglichen Lebensmittelvernichtungen, um den Weltmarktpreis zu halten, keine
Erwähnung der Zigbillionen DM, die täglich spekulativ an den Finanzbörsen der Welt
gehandelt werden, und die locker für die Grundversorgung aller über Jahre hinweg ausreichen
würden.
Die eigentliche Geißel hat einen Namen: Kapitalismus!
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