Quelle: Gunnar von der FDJ Bild: FDJ-Emblem 2000


"Denkt an Buchenwald!"

Buchenwald Gruppe mit Kind - 40kByte Vom 22. bis zum 29. Juli trafen sich in Weimar wieder etwa 200 antifaschistische Jugendliche um dem antifaschistischen Widerstand im Lager, der antifaschistischen Solidarität und den Opfern des Konzentrationslagers Buchenwald zu gedenken und die Mahnung vor dem deutschen Faschismus wachzuhalten. Wir als FDJ beteiligten uns wieder an der Organisation und Durchführung des von R.o.t.k.ä.p.c.h.e.n. initiierten Workcamps. In zahlreichen Arbeitsprojekten legten die Teilnehmer, unter Ihnen 20 FDJler, des 12. Antifa-Workcamps Weimar/Buchenwald Hand an, um den Verfall der KZ-Gedenkstätte aufzuhalten und die Stätten der Qual, der Folter und des Todes zehntausender KZ-Häftlinge als Mahnung zu erhalten. In, an und um die Gedenkstätte Buchenwald wirkten die Teilnehmer an Ausgrabungen in den Gustloff-Werken II, Pflege- und Ausgrabungsarbeiten im Steinbruch, Pflegearbeiten am Damm der Buchenwaldbahn, Maurerarbeiten am "Pferdestall" - der Genickschussanlage im KZ-Buchenwald und an Archivprojekten zum Internierungslager und zu Frauen und Lesben im KZ. Ich arbeitete im Projekt Internierungslager mit. Ich möchte das Projekt kurz anreißen: Die Anti-Hitler-Koalition verständigte sich noch vor dem Ende des zweiten Weltkrieges darauf: ,,die nazistische Partei, die nazistischen Gesetze, Organisation und Einrichtung zu liquidieren, alle nazistischen und militärischen Einflüsse in den öffentlichen Einrichtungen sowie dem kulturellen und wirtschaftlichen Leben des deutschen Volkes zu beseitigen und gemeinsam solche anderen Maßnahmen in Deutschland zu ergreifen, wie sie sich für den künftigen Frieden und die Sicherheit der ganzen Welt als notwendig erweisen können." Nach dem Ende des Krieges, auf der Potsdamer Konferenz (17.7.-2.8.1945) bekräftigten die UdSSR, die USA und Großbritannien ihre Position. Sie verständigten sich auf einen Katalog von Entnazifizierungsmaßnahmen im weitesten Sinne. Dazu gehörte die Verpflichtung zur Ahndung von Nazi- und Kriegsverbrechen. Zusätzlich wurde vereinbart: "Nazistische Führer, einflussreiche Nazianhänger und das leitende Personal der nazistischen Einrichtungen und Organisationen sowie alle anderen Personen, die für die Besetzung und ihre Ziele gefährlich sind, sind zu verhaften und zu internieren." Nach eigenen Angaben der Gedenkstättenleitung waren im Internierungslager Buchenwald, 80% der Internierten öffentliche Funktionsträger des III. Reiches. Sicher waren auch ein paar Unschuldige interniert, denunziert von solchen Leuten, welche auch davor Missliebige ins KZ brachten oder heute Asylsuchende wie hier vor Ort in Ostsachsen beim BGS denunzieren. Diese Tatsache wird gern benutzt, um die Geschichte umzuschreiben und die Täter zu Opfern hochzustilisieren. Welche Herren jetzt wieder die Fäden in der Hand haben, konnten wir auf dem Ettersberg u.a. auch an 800 in den Ettersberg gerammten Edelstahlstelen für ,,die Opfer stalinistischer Gewaltherrschaft" sehen, welche an die menschenverachtenden Profitmaximierer erinnern, welche in der Zeit von 1945-1950 im Internierungslager starben. Wer sich für die Rechercheergebnisse im Archiv der Gedenkstätte und aktuelle politische Vorgaben in Originaldokumenten interessiert, der sei auf den Inforeader in Auswertung der diesjährigen AG Internierungslager verwiesen (nähere Infos weiter unten). Nach den Arbeiten fanden Veranstaltungen u.a. mit Heiner Fink, Stefan Jerzy Zweig, Hanne Hiob, Jürgen Lemke, Gaby Klees, Reinhard Lembke, the Voice, polnischen Antifaschisten, dem Kabarett ,,Die Stadtverpfeifer" und der FDJ-Agit-Prop-Gruppe ,,Rote Trillerpfeifen" statt. Die Möglichkeit, Soldaten der Bundeswehr bei einem öffentlichen Gelöbnis über ihre Bestimmung aufzuklären, ließen sich die Campteilnehmer ebenso nicht nehmen wie die tägliche Campzeitung, Lagerfeuer, Quetschenmukke, Gitarrenklänge, Diskussionen und das Knüpfen von Freundschaften und Kontakten.

Wessen Tradition sich das wieder einmal größer gemachte Deutschland verpflichtet fühlt, und die Umsetzung dessen in der Gedenkstätte Buchenwald ließ in mir bei dessen Betrachtung und Erleben als erstes Wut, Hass und Ekel aufkommen. Durch die gemeinsame Arbeit vor Ort, die Beschäftigung mit praktischer Geschichte, durch Sehen, Fühlen und Denken vermischten sich die Emotionen bald immer stärker mit neuen Erkenntnissen und Argumenten über die Absichten der ,,Macher" dieser Geschichtspolitik. Den wärmenden, flammenden Schwur von Buchenwald im Herzen ging es auch dieses Jahr wieder nach Hause, in die Schule, zu Freunden, zur nächsten Aktion gegen die Annektionspolitik des deutschen Imperialismus ...

Gunnar

Siehe auch Inforeader zum Internierungslager in Buchenwald