(Mitorganisator des 1. Antifaschistischen
Bundeskongresses von VVN-Jugend und R.O.T.K.Ä.P.C.H.E.N)
F: Am kommenden Wochenende findet in Niederkaufungen
der erste antifaschistische Bundeskongreß Jugendlicher in
der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund
der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA)
und von R.O.T.K.Ä.P.C.H.E.N. statt. Wie ist die
Resonanz auf den Kongreß?
Erstaunlich groß. Wir gingen ursprünglich von 40 bis
50 Teilnehmern aus. Inzwischen sind es fast 70. Wir
können keine weiteren Anmeldungen mehr annehmen,
weil der Platz nicht ausreicht. Hauptsächlich haben sich
Leute von der VVN-Jugend und von
R.O.T.K.Ä.P.C.H.E.N. - also Jugendliche, die in und bei
den Organisationen ehemaliger Widerstandskämpfer aus
Ost und West arbeiten - angemeldet. Die
Teilnehmerinnen und Teilnehmer kommen über die
VVN-Jugend flächendeckend aus dem Westen, ebenso
über R.O.T.K.Ä.P.C.H.E.N. aus dem Osten.
F: Welche politischen Schwerpunkte wird es auf dem
Kongreß geben?
Zum einen geht es um unsere bundesweite Vernetzung
und Zusammenarbeit. Deshalb haben wir zu diesem
Kongreß bewußt keine anderen Organisationen
angesprochen und eingeladen. Es geht uns darum, daß
sich Jugendliche in den Organisationen zusammenfinden,
die in der Tradition des Schwures von Buchenwald
stehen.
Auf dem Kongreß wird es ein Einleitungsreferat von
Peter Gingold, Bundessprecher der VVN-BdA, geben. Er
wird darauf eingehen, warum es wichtig ist, daß die
Organisationen ehemaliger Widerstandskämpfer
weiterarbeiten - auch wenn es einmal keine
Überlebenden mehr geben wird.
Ein weitere Schwerpunkt wird der Frauenwiderstand
sein. Dazu haben wir die Widerstandskämpferin Irmgard
Konrad aus Berlin eingeladen. Als weiteren Gast werden
wir zu dem Thema »Spanienkrieg - Zweiter Weltkrieg -
Jugoslawien-Krieg ...« den Spanienkämpfer Helmut Huber
auf dem Kongreß haben. Wir wollen außerdem auf dem
Kongreß eine Resolution für Mumia Abu-Jamal
verabschieden und werden den Kongreß nutzen, um für
die Demonstration für Mumia am 13. November in
Kaiserslautern zu mobilisieren.
F: Vor einiger Zeit hat es von der VVN-BdA als
Organisation ehemaliger Widerstandskämpfer einen
Appell an die Jugend gegeben, sich einzureihen in die
VVN-BdA und ihren Kampf fortzuführen. Ist der
Bundeskongreß auch ein Ergebnis dieses Appells?
Der Appell spielt sicherlich eine große Rolle. Er hat
bei uns einiges ausgelöst und uns Mut gemacht, in
seinem Sinne weiter an Jugendstrukturen innerhalb der
VVN-BdA zu arbeiten. Aber die Idee, eine VVN-Jugend
aufzubauen, ist schon älter. Hier, wo ich wohne, in
Ortenau, gibt es seit 1994 eine Jugendgruppe in der
VVN.
F: Warum meinen Sie, daß es notwendig ist, Jugendliche
in den Reihen der antifaschistischen Widerstandskämpfer
zu organisieren?
So wie es auch im Appell an die Jugend formuliert ist,
sind die VVN und die Organisationen, die sich auf den
Schwur von Buchenwald berufen, der organisierte
Ausdruck des kollektiven Gedächtnisses an Widerstand
und Verfolgung. Es ist sehr wichtig, daß Jugendliche den
direkten Kontakt zu den Widerstandskämpfern haben,
damit sie und ihre Erfahrungen niemals in Vergessenheit
geraten.
F: Wo gibt es bisher Ansätze von Jugendlichen, in den
Reihen der Organisationen ehemaliger
Widerstandskämpfer mitzuarbeiten, und wie sind dort die
Erfahrungen der Zusammenarbeit alter und junger
Antifaschisten?
Genau das wollen wir auf dem Kongreß feststellen.
Bisher gibt es vor allem einzelne Jugendliche, die in den
Strukturen arbeiten. Aber es gibt wenig organisierte
Jugendgruppen. Vor Ort sind die Bedingungen für
Jugendliche oft nicht einfach. Die Leute in der VVN sind
häufig sehr alt, treffen sich nicht überall regelmäßig. Ein
paar Voraussetzungen müssen noch geschaffen werden,
damit die Arbeit auch für Jugendliche attraktiv wird.
Die älteren Mitglieder der VVN haben oft wenig
Erfahrung mit Jugendarbeit. Einerseits wollen sie
Kontakt zu Jugendlichen, andererseits - wenn dann
Jugendliche da sind - haben sie immer ein bißchen
Angst, etwas falsch zu machen. Die Jugendlichen haben
oft ihre Probleme mit Umgangsformen in der VVN, mit
der Sprache oder zum Beispiel mit der Anrede
»Kameradinnen und Kameraden«. Das sind aber alles
eher Formsachen, inhaltlich gibt es wenig Probleme.
F: Was sind Probleme bei der Organisation eures
Kongresses?
Ein Hauptproblem ist die Finanzierung des
Kongresses. Als VVN-Jugend haben wir noch keine
Kasse. Wir sind deshalb auf Spenden angewiesen. Wir
haben den Veranstaltungsort Kommune Niederkaufungen
bewußt gewählt. Wir wollen mit diesem Ort weg von der
Vereinzelung hin zu einem kollektiven und öffentlichen
Handeln.
Interview: Wera Richter
*** VVN/BdA-Jugend, Konto Nr.: 543773600, Postbank
Frankfurt/M, BLZ: 50010060, Stichwort: Jugendkongreß
|