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Quelle Antifa TU 1997, aus der Werbung für Broschüre zum Workcamp 1997
Umfangreiche Arbeiten fanden kaum Beachtung - Antifas bestätigen negatives Image Oranienburgs Vom 16.5. bis 25.5. 1997 fand in Oranienburg das II. Antifa-Workcamp Sachsenhausen, organisiert von R.O.T.K.Ä.P.C.H.E.N. im und beim Bund der Antifaschisten (BdA) und der Antifaschistischen Aktion Berlin (AAB), statt, in Zusammenarbeit mit der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten. Bis zu 100 AntifaschistInnen aus dem gesamten Bundesgebiet arbeiteten auf dem Gelände des ehemaligen "Klinkerwerks", einem Auáenlager des Konzentrationslagers Sachsenhausen, und an der Gedenkstätte. Das "Klinkerwerk" wurde im August 1938 von Häftlingen des KZ Sachsenhausen, darunter viele jüdische und homosexuelle, für die SS errichtet, ursprünglich um Albert Speers Monumentalbauten, mit Klinker-Steinen nach einem neuartigen Verfahren, zu versorgen. Ab 1942 wurde es, als Speer Reichsminister für Bewaffnung und Munition wurde, zunehmend auf Rüstungsproduktion umgestellt. Tausende fielen dort der "Vernichtung durch Arbeit" zum Opfer. Die Workcamp-TeilnehmerInnen haben, nachdem einige von ihnen bereits im letzten Jahr Berge von Müll auf dem Gelände sammelten, nun mit einer Sichtung der Grundmauern und Fundamente der ehemaligen Häftlingsbaracken begonnen. Dabei wurden auch detailgetreue Grundriss-Zeichnungen angefertigt. Die gewonnen Erkenntnisse über die Lage der Baracken und Fundstellen wurden genaustens dokumentiert und mit Foto- und Videoaufnahmen ergänzt. In einem umfangreichen Rahmenprogramm wurden verschiedene Vorträge zu aktuell politischen Themen wie z.B. "Drogen und Antifa", "Alltag in Bosnien", Diskussionsrunden über "Ansätze antifaschistischer Praxis in der Gegenwart" und Gesprächsrunden mit ehemaligen Häftlingen angeboten. Darüberhinaus beschäftigte sich ein Teil des Workcamps mit Pflege und Sicherungsmaßnahmen an der "Villa Eicke", die für den "Kommandant der Kommandanten", dem Inspekteur aller Konzentrationslager, Theodor Eicke auf dem SS-Gelände errichtet wurde. Nach dem Krieg von der NVA als Lazarett benutzt, wurde sie in den letzten Jahren dem Verfall preisgegeben. Lediglich das Dach konnte 1994 durch die Gedenkstätte Sachsenhausen erneuert werden. Eine der Hauptforderungen der Workcamp-TeilnehmerInnen ist die Entstehung einer Internationalen Jugendbegegnungsstätte, &qauml;hnlich der in Buchenwald. Sie soll eine Art Kommunikationsplattform für Jugendliche mit antifaschistischem Grundverständnis werden und die Durchführung und Organisation weiterer Workcamps wesentlich erleichtern. Da die dazu notwendigen Mittel für das sarnierungsbedürftige Objekt sehr spärlich fließen, wurde in Abstimmung mit der Gedenkstättenleitung zur Selbsthilfe gegriffen. Die Villa wurde symbolisch besetzt, und nach einer ausschweifenden Gartenparty wurden erste Sicherungsmaßnahmen durchgeführt. Vor allem eine Rote Fahne auf dem Dach des Hauses erregte bald einige Gemüter. Nachdem das 1. Antifaworkcamp im Herbst 1996, nach Einschätzungen der InitiatorInnen und laut Aussage des Gedenkstättenleiters Dr. Morsch "hervorragend gelaufen" war, sahen sich die Workcamp-TeilnehmerInnen diesesmal mit erheblichen Schwierigkeiten konfrontiert. Eine Internationale Jugendbegegnungsstätte könnte den Weg weisen, die kulturelle Vormachtstellung der Neofaschisten und den Rechten Konsens in Oranienburg zu brechen. Während die Zahl rassistischer- und ausländerfeindlicher Übergriffe anstieg und das Land Brandenburg die Statistik neofaschistischer Aktivitäten (laut VS-Bericht) anführt, ist auch das gesellschaftliche Klima weiter nach rechts gedriftet. Gerade im Raum Oranienburg gehören Neonazis aller Coleur zum Alltag, sind für einen Teil der Öffentlichkeit Oranienburgs bereits so selbstverständlich quot;normalquot;, daß andersaussehende Jugendliche kaum eine Chance haben, sich den Unterdrückungs- und Einschüchterungsmechanismen des Rechten Konsenses zu entziehen. Da das Stadtbild Oranienburgs von offen auftretenden Neonazis geprägt wird, waren die TeilnehmerInnen ständig daraus resultierenden Konflikten ausgesetzt. Bereits im Vorfeld des Workcamps wurde bei der Gedenkstättenleitung und der Stadt von Seiten der Staats- und Verfassungsschützer ein Klima der Angst aufgrund der zu erwartenden "linksextremistischen Chaoten" heraufbeschworen, das nur zu gern von einer sensationslüsternen, lokalpatriotischen Journaille aufgegriffen und vorverurteilend ausgeschlachtet wurde. Dem Workcamp wurde letztendlich vorgeworfen, das bereits bestehende negative Image Oranienburgs zu bestätigen. |