Quelle: Antifaschistische Nachrichten

Antifaschistische Demonstration am 30.8. in Naumburg/Saale


Seit längerer Zeit etabliert sich der Burgenlandkreis als Rückzugsgebiet und Zentrum aktiver Neofaschisten. Das ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, daß seit Ende 1994 Anti-Antifa-Aktivisten aus dem Umfeld der »Deutschen Nationalisten« im Naumburger Ortsteil Boblas ein Wohnhaus nutzen. Zu nennen wären hier beispielsweise Ilias Casteas sowie Sascha Chaves-Ramos, die vor allem im Zusammenhang mit dem Einblick-Prozeß bekannt wurden und als ehemalige Betreiber des Nationalen Infotelefons Mainz durchaus keine unbeschriebenen Blätter sind. Im März 1995 wurde das Haus im Rahmen der bundesweiten NSDAP/AO-Razzia von Beamten des BKA durchsucht. Dabei wurde u.a. Propagandamaterial beschlagnahmt.

Eine beliebte Arbeitsweise dieser Leute ist das Verschicken oder persönliche Zustellen von Drohbriefen und das Erstellen von »schwarzen Listen«. Durch das Publizieren derartiger Adressenlisten (zuletzt im November 96 und Mai 97) wird versucht, vermeintliche politische WidersacherInnen einzuschüchtern und in ihrer Aktivität zu behindern. Sie stellen eine durchaus ernstzunehmende Gefahr für die aufgeführten Menschen dar, die so zur Zielscheibe für Nazi-Schläger werden. Als Kontaktadresse fungieren auf einer dieser Hetzschriften CDU, Front 88 - anti-antifa, der Arbeitskreis gegen politische Verfolgung (ähnliche Ausrichtung wie HNG), NPD, Republikaner, Bund der stalinistisch Verfolgten und Nationales Bürgerforum.

Als weitere Konzentrationspunkte von Rechtsextremisten wäre noch Bad Kösen und hier vor allem die Gaststätte »Burgblick« zu nennen, wo auffällig viel Propagandamaterial der verbotenen FAP. der JN sowie der NPD auftaucht, in besagter Kneipe und auf der Rudelsburg finden regelmäßig Veranstaltungen der unterschiedlichsten neofaschistischen Gruppierungen und Parteien statt, so u.a. am 25.1.97 ein Parteitag der Republikaner und am 22.3.97 eine NPD-Tagung (angemeldet durch Steffen Hupka - seitdem stellv. NPD-Chef Sachsen-Anhalts).

Deutsch-nationale Studenten-Corporationen sind nur ein weiteres Puzzleteil. So trifft sich jedes Jahr zu Pfingsten der Kösener Convent auf der Rudelsburg und huldigt Kaiser Wilhelm I., seiner Regimenter und Deutschland sowieso.

Von der Stadt werden nationalistische Umtriebe meist geleugnet und teilweise sogar gedeckt. Die Stadtverwaltung und einige städtische PolitikerInnen betrieben mit Nachkommen von NS-FunktionsträgerInnen u.a. die »Umwandlung« des Parkes der Opfer des Faschismus in einen »Belustigungspark«. Nur dank eines hartnäckig geführten Kampfes der antifaschistischen Kräfte konnte 1993 die Gedenkstätte gerettet werden. Vier Jahre stritten Naumburger AntifaschistInnen um die Wiederanbringung der Namenstafeln für die Opfer des Kapp-Putsches, erst im Frühjahr diesen Jahres wurde dies realisiert. Eine versprochene Namenstafel für die jüdischen Opfer fehlt immer noch. Die Stadt begrüßt überall TeilnehmerInnen, wenn es um Ehrungen von NS-Regimentern, Schützenvereinen und Kriegerdenkmälern geht, wenn Germania und andere Studentenverbindungen Naumburg besuchen. Für die Begrüßung der Ostermarsch- oder FriedensfahrtteilnehmerInnen sieht sie dagegen keine Veranlassung.

Die Wiedereinführung traditioneller Straßennamen wie Jäger-Platz (nach dem Jägerbataillon) statt Friedensplatz, Gedenkstätten und -veranstaltungen für kaiserliche Regimenter und die der faschistischen Wehrmacht sowie eine Patenschaft der Stadt mit der Bundeswehr macht es unseres Erachtens nach notwendig, mit der Demonstration auch auf den untrennbaren Zusammenhang zwischen Militarismus und Faschismus hinzuweisen.

(Auszüge aus dem Aufruf -R.o.t.k.ä.p.c.h.e.n und andere AntifaschistInnen)