junge Welt Inland

16.07.1998
Gedenkstättenleitung lenkt ein
10. Antifa-Workcamp Weimar darf stattfinden

Das Antifa-Workcamp Weimar findet nun doch zum zehnten Mal statt und beginnt wie geplant am 26. Juli. Bis zuletzt war dessen Durchführung fraglich. Die Leitung der Gedenkstätte des ehemaligen KZ Buchenwald versuchte bereits im zweiten Jahr in Folge, das Workcamp, das seit 1990 jährlich immer mehr Jugendliche und junge Erwachsene aus dem gesamten Bundesgebiet anzieht, durch die Behinderung der praktischen Arbeit auf dem Gedenkstättengelände zu torpedieren beziehungsweise unattraktiv zu machen. Ein Workcamp an der Stätte der faschistischen Verbrechen, das Hintergründe zu erhellen versucht, Kontinuitäten aufzeigt und antifaschistischen Widerstand damals und heute thematisiert, wird von der Leitung der zur zentralen bundesdeutschen Gedenkstätte auserkorenen Einrichtung als Störfaktor begriffen.

Proteste und Interventionen von verschiedenen Seiten brachten die Gedenkstättenleitung unter Volkhard Knigge jetzt zum Einlenken. So überreichte der Vorbereitungskreis des Antifa-Workcamps Weimar 1998 mehrere hundert Protestunterschriften. Verbände ehemaliger Häftlinge und die Gewerkschaft HBV Thüringen protestierten ebenfalls gegen das Vorgehen der Gedenkstättenleitung. Die Stadt Weimar signalisierte gegenüber R.O.T.K.Ä.P.C.H.E.N. - eine der vorbereitenden Gruppen -, bei der Suche nach einer geeigneten Unterkunft für die erwarteten 200 Teilnehmer behilflich sein zu wollen.

Für das diesjährige Workcamp haben sich die Veranstalter vorgenommen, eine der Gleisanlagen freizulegen, die vom Weimarer Bahnhof zum ehemaligen Konzentrationslager Buchenwald führten. Sie wurden für die Deportation von Häftlingen ins KZ genutzt und waren für den Rüstungsbetrieb der Gustloff-Werke auf dem Ettersberg bei Buchenwald von großer Bedeutung. In diesem Betrieb wurden Tausende KZ- Häftlinge unter unmenschlichsten Bedingungen ausgebeutet.

Im Rahmenprogramm werden neben Rundgängen durch die Stadt Weimar und die Gedenkstätte Buchenwald Veranstaltungen zu aktuell-politischen und zu historischen Themen angeboten. Als Höhepunkt des Rahmenprogramms ist ein internationales Studentenseminar vorgesehen, in dem aus dem europäischen Widerstand gegen den deutschen Faschismus Schlußfolgerungen im Hinblick auf heutige Europakonzeptionen gezogen werden sollen.

Christoph Laubscher

*** Anmeldung und weitere Infos unter 034953/39621

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