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Gerade rechtzeitig zu den Feiern anläßlich des 53.
Jahrestages der Befreiung des KZ Sachsenhausen durch die
Rote Armee konnte am Montag ein Mahnmal für die Opfer
des »Klinkerwerks«, einer Außenstelle des KZ-
Sachsenhausen bei Oranienburg, eingeweiht werden.
Brandenburgs Kultur- und Wissenschaftsminister Steffen
Reiche dankte allen, die dies ermöglichten. Neben der Firma,
auf deren Grundstück sich das Gelände des künftigen
sogenannten Geschichtsparkes befindet, und der Bundeswehr
war das Antifa-Jugend-Workcamp von R.O.T.K.Ä.P.C.H.E.N
am Aufbau des Mahnmals beteiligt. Dieser Zusammenschluß
Jugendlicher aus Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Berlin
veranstaltete vergangene Woche sein drittes Workcamp in
Sachsenhausen.
Das Mahnmal besteht aus Klinkersteinen, die KZ-
Häftlinge für den Bau der von Albert Speer konzipierten
sogenannten Führerbauten einer neuen »Welthauptstadt
Germania« in Berlin herstellen mußten. In der Form eines
Dreiecks angelegt, dessen Oberfläche zu den beiden unteren
Ecken hin unregelmäßig zerwürfelt ist, symbolisiert das
Mahnmal die Markierungen, die die Häftlinge auf der Brust
tragen mußten, aber auch das Ende der
nationalsozialistischen Gigantomanie.
Joachim Müller, Mitglied des Beirats der Stiftung
Brandenburgische Gedenkstätten, erinnerte namens des
Schwulen Museums Berlin an die lange verschwiegene
Verfolgung Homosexueller durch die Nazis. Zusätzlich zu
dieser Verfolgung durch die Nazis seien Schwule aber durch
die alltägliche Schwulenfeindlichkeit der Gesellschaft
diskriminert worden, die sich natürlich bis ins KZ fortgesetzt
habe. »Wer draußen >schwule Sau< sagte, sagte das auch im
KZ.« Kritisch zu bewerten sei der Opportunismus vieler
Schwuler, der nicht wenige in die Nazi-Partei getrieben hat.
Im aktiven Widerstand hätten sie sich dagegen selten
engagiert. Und, so Müller weiter, 1945 habe die
Diskriminierung nicht aufgehört. In der BRD habe die
Gesetzgebung gegen Homosexuelle der Nazis »im Wortlaut«
bis 1994 weiter gegolten.
In einem schriftlich am Rand der Gedenkveranstaltung
verteilten Redebeitrag von R.O.T.K.Ä.P.C.H.E.N. werden
schwere Vorwürfe gegen die Oranienburger Polizei erhoben.
Die habe sich vorgenommen, das Workcamp massiv zu
behindern, um es im nächsten Jahr vielleicht verbieten zu
können. Die Polizei hatte ein Videogerät aus der Unterkunft
der Workcamp-Teilnehmer als angeblich gestohlen
beschlagnahmt, was sich jedoch als falsch erwies. Mit der
Gedenkstättenleitung wolle man weiter zusammenarbeiten.
Am Sonntag waren in Germendorf bei Oranienburg die
sterblichen Überreste von 26 KZ-Häftlingen beigesetzt
worden. Sie waren in einer Kiesgrube auf einem Gelände der
früheren Heinkel-Flugzeugwerke entdeckt worden. Dort
hatten Häftlinge eines Außenlagers
des KZ Sachsenhausen Zwangsarbeit verrichten müssen. Bei
den Toten handelt es sich vermutlich um Osteuropäer und
Franzosen.
Christoph Laubscher
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