Quelle: Pressegruppe des 12. Antifa-Workcamps Mittwoch, den 26. 7. 2000


White Noise, Soundtrack zu Mord und Totschlag
(gekürzte Zusammenfassung, Veranstaltung in der Feuerwache)




Bild: White Noise

Nach dem Erstarken nationalistischer und völkischer Ideologien im Zuge des Jubels über die "Wende" und die "Wiedervereinigung", den Progromen und großen Aufmärschen in den Jahren ca. 1989-92, wurden die Forderungen an Politik und Repressivorgane in der BRD von innen und vor allem außen lauter, entschlossener gegen rechtsextreme Strukturen vorzugehen. Die Standortdebatte war eröffnet.

In den Jahren ca. ´92-´96 wurden die meisten Versuche der Nazis, Aufmärsche oder Konzerte durchzuführen, verboten und einige der maßgeblichen Organisationen wie die Freiheitliche Arbeiterpartei Deutschlands (FAP), die Wiking Jugend (WJ) oder die Nationalistische Front (NF) verboten. Die Phase der Verunsicherung der Naziszene wurde aber eher eine Phase der Umorganisierung und Sammlung.

Die zentrale Rolle nahm hierbei die NPD ein, deren neuer Bundesvorsitzender, Udo Voigt, für die Öffnung der NPD für weite Teile der extremen Rechten, vom Dumpfbacken-Prügelnazi bis zu den ehem. Funktionären der mittlerweile verbotenen Organisationen. Vorher hatte die NPD gute 20 Jahre mit einem Alterdurchschnitt, der an den der PDS erinnert, dahingedümpelt. In der gleichen Zeit erschienen diverse Strategiepapiere, wie das oft zitierte zu "national befreiten Zonen" und einige zur Katalyse einer rechten Jugendkultur. Dabei geht es im Kern um die Verankerung rechter Ideologieversatzstücke in den Köpfen durch über Outfit und Musik vermittelte Identifikation.

Die wichtigsten Strukturelemente dieses Ansatzes sollen hier sehr kurz beschrieben werden.




Fanzines

Derzeit werden in Deutschland ca. 50-80 rechtsextreme Fanzines mit Auflagen von 200-1.000 Stück zumeist illegal produziert und vertrieben. Diese sind größtenteils sehr offen nazistisch.



Magazine

Neben den Fanzines existieren mehrere professionell aufgemachte Magazine.

Vor "Unsere Welt" und "N. D. W." nimmt "Rock Nord" mit bis zu 17.000 Stück Auflage (eigene Angabe) den Spitzenplatz ein. Inhalt sind Konzertberichte, Interviews mit Bands, Plattenkritiken, thematische Beiträge u.ä. An die jeweiligen Magazine sind in der Regel Versände und Verlage angegliedert, die Umsätze von 6-7stelliger Höhe erzielen.




Versände

Die ca. 50-80 Versände, die teils ohne Kataloge agieren, werden meist von früheren Kadern nazistischer Organisationen betreut. Ihr Programm beinhaltet Plakate, Bücher, Klamotten, Platten/CDs, Devotionalien, bei der NPD seit einiger Zeit sogar Parfüm - wahlweise "Nationalist" oder "Walküre".



Läden

Nach Schätzungen werden derzeit 30-50 Läden betrieben, die alles, was das Naziherz begehrt, aber auch unverfängliche Produkte bis hin zu Hiphop-Utensilien anbieten. In der Vergangenheit konnte über Kampagnen die Schließung mehrerer dieser Läden erreicht werden, z. B. "Hehl´s World" in Ludwigshafen, dessen damaliger Betreiber mittlerweile im Knast sitzt.



Konzerte

Bei Nazi-Rock-Konzerten kulminieren alle diese Punkte. 1998/99 fand statistisch gesehen alle 2 Tage ein solches statt. In der Regel kommen hierzu 100-500 Nazis, teilweise auch weit mehr als 1.000, trotz der zum Teil sehr konspirativen Mobilisierung. So fand im September ´99 in Garitz (Sachsen-Anhalt) ein Konzert mit mehr als 2.000 Gästen statt. (siehe Artikel zu Köthen) Auf diesen Konzerten wird an diversen Verkaufständen die ganze nazistische Produktpalette feilgeboten. Der Gesamtumsatz kann dabei an einem Abend die 100.000-Marke erreichen.