Quelle: Pressegruppe des 12. Antifa-Workcamps Dienstag den 25. 7. 2000


Zombies in Uniform




Bild: Nazis in Uniform? - Wehrmacht oder Bundeswehr?

Vorher ! ...

Am Dienstag fanden sich ca. 30 Leute in der Feuerwache ein. Thema der Veranstaltung war die Militarisierung der Gesellschaft. Zwei Gelöbnisverweigerer berichteten über ihren antimilitaristischen Kampf in der Bundeswehr. Gelöbnisverweigerer sind, wie der Name schon andeutet, Soldaten, die ihren Grundwehrdienst zwar ableisten, aber das Gelöbnis auf die großdeutsch-imperialistische Fahne verweigern, diesem Staat also die Gefolgschaft verweigern und ihre in der Bundeswehr erworbenen Kenntnisse für den Tag der Rache aufsparen. (Zitat!!!)

Gelöbnisverweigerung ist grundsätzlich ein juristisch geahndetes Delikt, da Großdeutschland, aber auch schon früher die BRD, genauso wie jeder andere Staat natürlich keinerlei Interesse daran hat, Staatsfeinde an der Waffe auszubilden. Unsere Genossen arbeiteten größtenteils isoliert innerhalb der Kasernen: Sie verteilten "draußen" geschriebene Aufklärungsflugblätter über die Bundeswehr und aktuelle Kriege, informierten die anderen Wehrdienstleistenden über die faschistische Tradition, die Aufgaben und Ziele der Bundeswehr, versuchten sich selbst und andere vor Übergriffen von Faschisten zu schützen (davon gibt es naturgemäß nicht zu knapp in deutschen Kasernen). Interessant waren und sind die Berichte über den sogenannten "politischen Unterricht" und die ideologische Grundausbildung: Menschen heißen Weichziele und haben möglichst lange einsatzfähig zu bleiben, bei Nuklearbombenabwurf wird ernsthaft geraten, sich hinter Zäune oder in Erdkuhlen zu legen, beim Klettern auf Bäume wird geraten, an der Spitze damit aufzuhören und bei einer Wassertiefe von 1,50 m selbständig mit Schwimbewegungen zu beginnen, etc.

Wenn General a.D. Kießling sagt "Die Wehrmacht gehört zur Tradition der Bundeswehr", zeigt sich auf allen Ebenen, daß er damit recht hat. Es ist nicht die Frage, wieviele bekennende Faschisten es in der Bundeswehr gibt, sondern ob überhaupt noch Demokraten oder gar Antifaschisten dort zu finden sind. Schließlich wurde die Bundeswehr durch die alten Generäle der faschistischen Wehrmacht aufgebaut. 1954 sah die Welt wieder Deutsche in Uniformen, und es waren größtenteils die selben Personen, die die Welt bis zum 8. Mai 1945 in Brand gesteckt hatten. Heute dringt der Militarismus in alle Bereiche der Gesellschaft vor. Der Konsens, vor Schultoren halt zu machen, gilt für antifaschistische Flugblätter, jedoch nicht für die Bundeswehr. Mit einem kürzlich geschlossenen Rahmenabkommen zwischen der deutschen Wirtschaft und dem Kriegsministerium stehen auch die Betriebe der Infiltration durch Landser-Public-Relation offen. Einzelne Bereiche der Bundeswehr-Logistik (Transport, Kommunikation, Gerätewartung...) sollen aus Kostengründen ausgegliedert und privaten Unternehmen übergeben werden. In diesen Bereich gehört auch die Verknüpfung der 56 Reservelazarette mit zivilen Krankenhäusern, wodurch 56.000 neue Lazarettbetten für den Ernstfall geschaffen werden.

Teil dieser Umstrukturierung ist auch, daß Scharping von Reduzierung der Ausgaben für die Bundeswehr schwafeln kann, ohne daß bekannt werden muß, daß parallel zur Verkürzung der Wehrzeit (wodurch natürlich ein viel größerer Teil der Bevölkerung in kürzerer Zeit kriegstauglich gemacht wird: kürzere Wehrzeit, schnellerer Personalwechsel, mehr Leute in kürzerer Zeit - logisch!) eine Aufstockung und Ausweitung der sogenannten Krisenreaktionskräfte stattfindet. Diese rein nationale, in kein Militärbündnis eingebundene schnelle Eingreiftruppe hat den einzigen Sinn, deutsche Interessen in der Welt zu vertreten, ohne sich auch die kleinsten Imperialismen in einem unvermeidbaren Konkurrenzverhältnis befinden (sehr schön ausgeführt von Wladimir Iljitsch in dem Heftchen "Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus"; erhältlich im Infoladen!!!). Deshalb halten wir auch die Forderung nach "Bundeswehr raus aus der NATO" in diesem Lande für brandgefährlich, da die NATO nebst Bombardierungen und Kriegseinsätzen gegen souveräne Staaten laut ihren Gründungsdokumenten auch noch eine andere Aufgabe hat: "To keep the Russians out, the Americans in and the Germans down." (Die Russen draußen halten, die Amerikaner drinnen halten und die Deutschen am Boden halten.) So wenig sie auch diese in der Dreierformel genannten Aufgaben - vor allem die letzte davon - wahrnimmt, ist die NATO als Bündnis verschiedener Imperialismen noch auf einen gewissen Konsens aller Mitglieder angewiesen, der keine eigenmächtigen deutschen Sonderwege oder kriegerische Handlungen untereinander erlaubt.

... Nachher!

Bild: So sehnīse dann danach aus unsīre guten Jungs