Korpsgeist und Kontinuit�ten
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Geschichte
Korpsgeist und Kontinuit�ten
Eine kleine Geschichte des Ausw�rtigen Amtes
Ende M�rz dieses Jahres erschien in der FAZ eine Anzeige, in der 128 ehemalige wie noch aktive Mitarbeiter des Ausw�rtigen Amtes (AA) den im Oktober 2004 verstorbenen Franz Krapf f�r seine Verdienste im Diplomatischen Dienst der Bundesrepublik ehrten. Der Jurist (Jahrgang 1911) hatte seit den fr�hen 1950er Jahren verschiedene Funktionen im AA innegehabt und in den folgenden Jahrzehnten eine beachtliche Laufbahn absolviert, die er als St�ndiger Vertreter der Bundesrepublik Deutschland beim NATO-Rat in Br�ssel im Jahr 1976 beendete. Die Karriere des Franz Krapf hatte aber nicht erst in der Nachkriegszeit begonnen, sondern bereits am 1. Februar 1938, als er dem Ausw�rtigen Dienst des �Dritten Reiches� beigetreten war. Doch nicht nur das: Seit 1936 geh�rte Krapf der NSDAP an. Bereits im Mai 1933 war er der SS beigetreten und fungierte ab Februar 1938 als SS-Untersturmf�hrer im SD-Hauptamt. In einem Entnazifizierungsverfahren vor der Spruchkammer M�nchen III wurde Krapf im Mai 1948 dennoch in die Gruppe der �Entlasteten� eingestuft. Seine NS-Vergangenheit stand somit einer zweiten Karriere nicht mehr im Weg. Erst nach dem Tod Krapfs r�ckte die Tatsache, dass der vormalige Elitediplomat der Bundesrepublik der NSDAP und der SS angeh�rt hatte, ins �ffentliche Bewusstsein.
�Verschworene Gesellschaft�
Dies w�re wohl kaum geschehen, h�tte nicht eine von Au�enminister Fischer im September 2003 herausgegebene Anweisung, unter zahlreichen Mitarbeitern des AA f�r erheblichen Unmut gesorgt. Gegen den Erlass Fischers, k�nftig ehemalige Angeh�rige des Diplomatischen Dienstes, sofern sie der NSDAP angeh�rt hatten, nicht mehr mit einem Nachruf in der amtsinternen Zeitschrift zu ehren, regte sich massiver Protest, der vorl�ufig mit der Ver�ffentlichung der Anzeige f�r Franz Krapf in der FAZ seinen H�hepunkt fand. Daran �nderte auch die Feststellung nichts, dass der Au�enminister angesichts der Widerst�nde gegen die ge�nderte Nachrufpraxis relativ schnell auf eine entpolitisierende Kompromisslinie eingeschwenkt war, die nunmehr vorsieht verstorbene Mitarbeiter des AA unabh�ngig von der Frage ihrer NSDAP-Mitgliedschaft grunds�tzlich nicht mehr zu ehren.
Dennoch k�ndigte Fischer die Einsetzung einer unabh�ngigen Historiker-Kommission an, die sich umfassend mit der Politik des Ausw�rtigen Amtes w�hrend der Zeit des Nationalsozialismus besch�ftigen soll. Derartige Absichtserkl�rungen sind im Grunde nichts Neues: Bereits in den Jahren 1951/1952 trat ein Untersuchungsausschuss des Bundestages zusammen, der Hinweisen auf die extrem hohe Zahl NS-belasteter Mitarbeiter im AA nachgehen sollte. Im Jahr 1971 stellte der damalige Au�enminister der sozialliberalen Koalition Walter Scheel (FDP), eine kritische Aufarbeitung der Geschichte des AA in Aussicht. Konkrete Resultate blieben in beiden F�llen aus. Ob es diese nun in Folge der aktuellen Nachrufdebatte geben wird, scheint zweifelhaft, nicht zuletzt, da das Projekt einer unabh�ngigen Historikerkommission schon vor ihrer Konstituierung im Zuge des absehbaren Regierungswechsels im September bereits wieder beendet sein k�nnte. Die Vehemenz, mit der Teile der Beamtenschaft des AA gegen den Erlass Fischers zu Felde zogen, verweist aber auch auf den bis heute offenkundig stark ausgepr�gten Corpsgeist, jener �verschworenen Gesellschaft� (Hans-J�rgen D�scher), der es �ber Jahrzehnte hinweg gelang, das Mitwirken des Amtes an den nationalsozialistischen Massenverbrechen zu bagatellisieren und die frappierenden personellen Kontinuit�ten, die nach 1951 deutlich wurden, zu verschleiern.
Rechtfertigungslegenden
In diesem Zusammenhang tauchten drei Behauptungen immer wieder auf: Zum einen sei das AA in der Zeit des Nationalsozialismus ein �Hort der Opposition� gewesen. Hochrangigen Beamten, wie etwa dem Staatssekret�r Ernst Freiherr von Weizs�cker sei es in erster Linie darum gegangen, �schlimmeres� zu verhindern. Vom Ausma� der nationalsozialistischen Verbrechen h�tte kaum ein Mitarbeiter des AA Kenntnis gehabt, da diese vor allem mit diplomatischen Routineangelegenheiten befasst gewesen seien. Die dritte Rechtfertigungslegende bezog sich auf die Verbrechen, an denen das AA nachweislich mitgewirkt hatte. Hierf�r seien fast ausschlie�lich Quereinsteiger aus den Reihen der SS sowie anderer NS-Organisationen verantwortlich gewesen, die das Amt in Folge der Ernennung Joachim von Ribbentrops zum Au�enminister im Februar 1938 usurpiert h�tten. Demnach sei das AA sp�testens seit Beginn des Zweiten Weltkrieges in zwei �mter zerfallen: Einerseits in ein �unpolitisches�, in dem Berufsdiplomaten professionell und gegen�ber dem NS-Regime distanziert ihren Aufgaben nachgekommen seien. Andererseits in ein �politisches�, das, vor allem repr�sentiert durch die mit �Rassepolitik� und �Judenfragen� befasste �Abteilung Deutschland� zum Anziehungspunkt nationalsozialistischer Karrieristen geworden sei. Dementsprechend hie� es in der im Jahr 1970 ver�ffentlichten Festschrift zum 100j�hrigen Bestehen des AA: �Diese Abteilung ist der eigentliche Eiterherd im Amt gewesen.� Eine Einsch�tzung, die im �brigen auch bis in die 1980er Jahre vom gr��ten Teil der zeitgeschichtlichen Forschung geteilt wurde. So seien, res�mierte etwa Martin Broszat in seinem 1969 erstmals erschienen Standardwerk �Der Staat Hitlers�, im polykratischen Herrschaftssystem des Nationalsozialismus die traditionellen Strukturen des AA, den Eingriffen durch Partei und SS weitgehend hilflos ausgeliefert gewesen. Die wissenschaftlich derart legitimierten Mythen des AA gerieten erst Jahre sp�ter durch die Arbeiten von Christopher Browning und Hans J�rgen D�scher ins Wanken � wenn auch nur minimal, angesichts der Wirkungsm�chtigkeit der �ber Jahrzehnte tradierten Rechtfertigungslegenden.
Zwischen Kaiserreich und Nationalsozialismus
Ein Blick in die Geschichte des 1870 gegr�ndeten Amtes verdeutlicht, dass Korpsgeist und Standesd�nkel seit jeher unter den Mitarbeitern des Diplomatischen Dienstes weit verbreitet waren. Politischen und gesellschaftlichen Demokratisierungsprozessen stand man daher im AA zumeist distanziert, wenn nicht ablehnend gegen�ber. So rekrutierten sich die leitenden Beamten des AA w�hrend des Kaiserreichs fast ausschlie�lich aus dem verm�genden (preu�ischen) Adel. F�r Mitarbeiter, die aus dem vorwiegend nationalliberal gepr�gten B�rgertum stammten endete die Karriereleiter in der Regel auf der untergeordneten Hierarchieebene der Konsularbeamten. Juden und Sozialdemokraten blieb der Zugang zum Ausw�rtigen Amt nahezu vollst�ndig versperrt.
Dieser feudalistische Exklusivit�tsanspruch kennzeichnete die Personalpolitik des AA auch in den Jahren der Weimarer Republik. Die 1920/1921 in Angriff genommenen Reformbem�hungen, die darauf abzielten, das Au�enministerium breiteren gesellschaftlichen Schichten zu �ffnen scheiterten nicht zuletzt am Beharrungsverm�gen und den Obstruktionen der konservativ eingestellten Karrierediplomaten, die nach dem Zusammenbruch der Monarchie auf ihren Posten verblieben waren. Sofern sie politisch organisiert waren, geh�rten die Weimarer Nachwuchsdiplomaten �berwiegend rechten, der Republik feindselig gegen�berstehenden Gruppierungen an. Die nach 1945 gerne verbreitete Behauptung, vor der Macht�bernahme der Hitlers habe nur ein Mitarbeiter des AA der NSDAP angeh�rt, bedarf der Korrektur: Vor dem 30. Januar 1933 waren bereits mindestens zehn Beamte des Amtes der Partei beigetreten. Aber auch ein gro�er Teil derjenigen Diplomaten, die keiner extrem rechten Gruppierung angeh�rten, d�rfte, so vermutet der Historiker Hans J�rgen D�scher, gegen�ber der Weimarer Demokratie eine �reservierte, wenn nicht ablehnende Haltung� eingenommen haben.
Insofern verwundert es nicht, dass das Ende der Republik im Au�enministerium relativ gleichg�ltig zur Kenntnis genommen wurde, zumal sich f�r das AA im Kontext der nationalsozialistischen Macht�bernahme keine gr��eren Ver�nderungen ergaben. Lediglich ein Angeh�riger des Diplomatischen Corps, der deutsche Botschafter in Washington, quittierte aus politischen Gr�nden seinen Dienst. Das im April 1933 erlassene �Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums�, das vorsah, politisch missliebige sowie j�dische Beamte aus dem �ffentlichen Dienst zu entlassen, hatte im AA nur marginale Auswirkungen, da es dort schlechterdings so gut wie keine j�dischen oder offenkundig regimekritisch eingestellten Mitarbeiter gab. Auch der seit Juni 1932 amtierende Au�enminister Konstantin Herrmann Freiherr von Neurath, behielt seinen Posten bis zum Februar 1938. Obgleich das aristokratisch gepr�gte Sozialprofil des AA sowie die angebliche Beh�bigkeit seiner Beamten, den nationalsozialistischen Vordenkern einer alle Konventionen missachtenden aggressiv-v�lkischen Au�enpolitik hinderlich erschien, griff Hitler zun�chst nicht in die Struktur des Amtes ein. Dies resultierte zum einen aus dem Umstand, dass das NS-Regime kaum �ber eigene au�enpolitisch versierte Funktion�re verf�gte und somit auf die Beamtenschaft des AA angewiesen war. Zum anderen verfolgten das AA und die Au�enpolitik des Nationalsozialismus mit der angestrebten grunds�tzlichen Revision der Versailler Vertr�ge identische Ziele.
Das Ausw�rtige Amt und die �Endl�sung�
Die nationalsozialistische Einflussnahme auf das Amt nahm seit 1938 dramatisch zu, nachdem Ribbentrop im Februar zum Innenminister ernannt worden war. Von den 74 Referenten seiner �Dienststelle� �bernahm Ribbentrop 28, von denen wiederum 20 der SS angeh�rten ins Ausw�rtige Amt. Zu den entscheidenden Kriterien der Personalrekrutierung avancierten von nun an die Mitgliedschaft in der NSDAP bzw. in einer anderen Parteiorganisation sowie die pers�nliche Loyalit�t zu Ribbentrop.
Im Mai 1940 wurde das �Referat Deutschland� des AA zur �Abteilung Deutschland� aufgewertet und unter F�hrung von Unterstaatssekret�r Martin Luther, einem engen Vertrauten des Au�enministers, sukzessive zu einem Organisationskomplex mit zw�lf Referaten und 190 Mitarbeitern ausgebaut. Die Abteilung beanspruchte umfassende Zust�ndigkeiten etwa im Bereich der �internationalen polizeilichen Zusammenarbeit�, der �Judenfrage�, der �Rassenpolitik�, der �Deutschtumsfragen� und der �Volksdeutschen Umsiedlungen�. Bereits im Juni 1940 begann man sich dort Gedanken hinsichtlich des �deutschen Kriegsziels in der Judenfrage� zu machen. Die organisatorische Umsetzung des Massenmords bedurfte einer Vielzahl partizipierender Akteure und Institutionen. In diesem arbeitsteiligen Vernichtungsprozess war das Ausw�rtige Amt an verschiedenen Stellen entscheidend beteiligt. Im Januar 1942 nahm Unterstaatssekret�r Luther als Vertreter des AA an der Wannseekonferenz teil, auf der die bereits angelaufenen Mordaktionen an der j�dischen Bev�lkerung Osteuropas und der Sowjetunion besser koordiniert werden sollten. Hinsichtlich der vorgesehenen Deportationen aus den anderen Teilen Europas wurden enge Absprachen zwischen den jeweils zust�ndigen Sachbearbeitern des AA und den Referenten der Sicherheitspolizei und des SD vereinbart. Von den Ergebnissen der Konferenz erhielten nicht nur die �Deutschlandabteilung�, sondern auch die f�hrenden Beamten anderer Abteilungen des Au�enministeriums Kenntnis. Zudem ist davon auszugehen, dass diese AA-Mitarbeiter bereits seit dem Sommer 1941 �ber die von den Einsatzgruppen ver�bten Massaker in der Sowjetunion informiert waren. Als im M�rz 1942 in den besetzten Gebieten Frankreichs, gem�� den auf der Wannseekonferenz getroffenen Vereinbarungen, damit begonnen wurde �im Zuge der praktischen Durchf�hrung der Endl�sung� Europa �vom Westen nach Osten durchzuk�mmen�, waren verschiedene Stellen des Ausw�rtigen Amtes an den organisatorischen Abl�ufe beteiligt. So wandte sich Eichmann im Vorfeld der jeweiligen bereits vorbereiteten Deportationen zehntausender franz�sischer und staatenloser Juden nach Auschwitz regelm��ig an das AA, mit der Frage, ob auf Seiten des Amtes �Bedenken gegen die Durchf�hrung der Aktion� best�nden. Obgleich auch vermeintliche Gegner des NS-Regimes, wie etwa Staatssekret�r von Weizs�cker in die Entscheidungsprozesse miteinbezogen waren, regte sich hier jedoch zu keinem Zeitpunkt irgendein Widerspruch, Im Gegenteil war das AA bem�ht, die Anfragen des RSHA m�glichst z�gig zu beantworten. �hnlich kooperativ zeigte sich das Amt auch anl�sslich der Deportationen aus anderen Teilen Europas. Dessen �Judensachverst�ndige� versuchten etwa die verb�ndeten Staaten Ungarn, Rum�nien und Bulgarien unter Druck zu setzen, damit diese die Flucht und Emigration der dort lebenden j�dischen Bev�lkerung blockierten. Der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik sollten demnach, auch nach Auffassung des Ausw�rtigen Amtes, m�glichst wenige entkommen.
Vom Ausw�rtigen Amt zum Ausw�rtigen Amt
Von der organisatorischen Einbindung des AA in den Holocaust war in den Jahren nach 1945 kaum mehr die Rede. Die Verantwortung f�r die pr�zedenzlosen Verbrechen wurde auf Hitler und eine kleine Clique nationalsozialistischer �berzeugungst�ter reduziert. So verurteilte zwar das N�rnberger Kriegsverbrechertribunal Joachim von Ribbentrop zum Tode, ebenfalls mussten sich einige hochrangige Beamten des Ausw�rtigen Amtes 1947 im so genannten �Wilhelmstra�enprozess� (bezeichnet nach dem Dienstsitz des Au�enministeriums) f�r ihre Beteiligung an den NS-Verbrechen verantworten, eine umfassende kritische Auseinandersetzung mit der Politik des Amtes w�hrend der Zeit des Nationalsozialismus fand hingegen nicht statt. Eine Beobachtung, die freilich nicht nur auf das AA, sondern im Grunde auf die allermeisten politischen Institutionen, Beh�rden und Verwaltungsinstanzen zutraf.
Das Ausw�rtige Amt wurde in den Jahren 1949 bis 1951 unter Beibehaltung seiner traditionellen Bezeichnung neu gegr�ndet. Federf�hrend agierten dabei ehemalige Karrierediplomaten, die bereits in der NS-Zeit im Au�enministerium besch�ftigt gewesen waren und nunmehr s�mtliche Schl�sselpositionen des Amtes besetzten. Die auf eine �Bew�ltigung der NS-Bew�ltigung� (Norbert Frei) zielende Vergangenheitspolitik der �ra Adenauer machte neben dem �ffentlichen Dienst auch die Bonner Ministerien zu Tummelpl�tzen f�r ehemalige Funktionseliten, Anh�nger und Mitl�ufer des Nationalsozialismus. Sch�tzungen zufolge lag der Anteil der ehemaligen NSDAP-Mitglieder unter den Bundesbeamten w�hrend der 1950er Jahre bei 30 Prozent, im Bundesinnenministerium sogar bei 42 Prozent. �hnlich hohe bzw. noch h�here Quoten an NS-Belasteten fanden sich dar�ber hinaus im Justizministerium, im Vertriebenenministerium und nicht zuletzt im Ausw�rtigen Amt, wo im Jahr 1952 zwei Drittel der leitenden Beamten und vier F�nftel der Referatsleiter ehemalige Mitglieder der NSDAP waren. Damit besch�ftige das AA w�hrend der 1950er Jahre mehr NSDAP-Mitglieder als zu Zeiten des �Dritten Reichs�.
An Aufarbeitung �kein Bedarf�?
Die Geschichte der Bundesministerien in der Nachkriegszeit ist bis heute kaum erforscht. Umso irritierender muss es daher erscheinen, mit welcher Vehemenz Innenminister Schily im Mai dieses Jahres Vorschl�ge, die Nachkriegsgeschichte der Bundesministerien aufzuarbeiten zur�ckwies, indem er apodiktisch behauptete, es gebe �keine Kontinuit�t zwischen der NS-Zeit und der demokratisch gew�hlten Bundesregierung� und somit auch �keine nationalsozialistische Vergangenheit, die der Aufarbeitung bedarf�. Ein Blick auf Schilys eigenes Ministerium widerlegt freilich eindrucksvoll dessen Behauptungen. Auf die �berdurchschnittlich hohe Quote an ehemaligen NSDAP-Mitgliedern, die w�hrend der 1950er Jahre im Innenministerium besch�ftigt waren, wurde bereits hingewiesen. Deutlich zeigten sich die personellen Kontinuit�ten aber auch in den dem Ministerium unterstehenden �mtern. So wurde das Bundeskriminalamt ma�geblich von vormaligen f�hrenden Beamten des im RSHA angesiedelten Reichskriminalpolizeiamts aufgebaut. Im Bundesamt f�r Verfassungsschutz tummelten sich Mitte der 1950er Jahre zahlreiche fr�here Gestapo- und SD-Mitarbeiter. Der personelle Kern des Bundesnachrichtendienstes rekrutierte sich nicht zuletzt aus der von Reinhard Gehlen geleiteten Abteilung �Fremde Heere Ost�, die das Oberkommando des Heeres w�hrend des Vernichtungskrieges in der Sowjetunion mit geheimdienstlichen Informationen versorgt hatte. Diese Kontinuit�tslinien sind seit langem bekannt. Nun gilt es deren Auswirkungen auf politische Entscheidungsprozesse sowie die politische Kultur der Bundesrepublik zu untersuchen.
Innenminister wie Otto Schily oder �verschworene Gesellschaften� wie die des Ausw�rtigen Amtes wird es auch k�nftig geben. Eine kritische Aufarbeitung der Geschichte werden sie jedoch langfristig nicht verhindern k�nnen.

Konstantin Herrmann Freiherr von Neurath war SS-Obergruppenf�hrer und schon seit 1932 amtierender Au�enminister

22. Juni 1941: Au�enminister Ribbentrop gibt den Kriegsbeginn mit Russland bekannt

Otto Schily weist Vorschl�ge zur historischen Erforschung der Bundesministerien vehement zur�ck