Nicht nur Naziaufmärsche ....
...KIPPEN!
Göttingen. Für den 15. April 2000 hat die NPD nun zum dritten Mal innerhalb
weniger Monate einen Nazi-Aufmarsch angemeldet. Die Stadt Göttingen hat bereits
mit dem obligatorischen Verbot reagiert. Von den Faschisten ist zu erwarten,
dass sie sich auch diesmal nötigenfalls bis zum Oberverwaltungsgericht durchklagen
werden. Obwohl der Staat nach wie vor sein Anti-Nazi-Image pflegt, stehen die
juristischen Chancen für die NPD besser als zuvor: In ihren Ankündigungen verzichten
sie diesmal weitgehend auf direkte Drohungen gegen die Göttinger Linke, um die
Eskalationsgefahr als Verbotsbegründung auszuschließen. Auch juristische Schnitzer
wie die vorbestraften Ordner und Anmelder für den 29. Januar 2000 hat die NPD
sich noch nicht geleistet. Also alles andere als Entwarnung für den antifaschistischen
Widerstand.
Bündnis der Rechtsabbieger
Die größte Veränderung gegenüber den letzten beiden Aufmarschversuchen der Faschisten
gibt es allerdings beim Göttinger Bündnis gegen die Nazi-Aufmärsche. Frei nach
dem „Antifaschismusbegriff“ der rot-grünen Regierung hat dieses sich jetzt endgültig
nach rechts geöffnet. Noch vor CDU und junger Union machte der nunmehr rechte
AStA der Uni Göttingen den Anfang, indem er mit einem Vertreter aus den Reihen
des Rings christdemokratischer Studenten (RCDS) auf dem Bündnistreffen erschien.
Auch nachdem Delegierte linksradikaler Gruppen darauf hingewiesen hatten, dass
der RCDS Autoren der Nazi-Zeitung „Junge Freiheit“ in seinen Reihen beheimatet,
konnte sich der Rest des Bündnisses nicht entschließen, sich gegen eine Teilnahme
des rechten AStA zu positionieren. Die linksradikalen Gruppen, darunter auch
die Autonome Antifa [M], verließen daraufhin das Bündnis.
Ende der Gemeinsamkeit
Den am Bündnis beteiligten linken Gruppen war schon zuvor klar, dass es
für sie nur ein verbindendes Element im Bündnis gibt: Den Willen, einen Naziaufmarsch
zu verhindern. Für die radikale Linke kann dieses Ziel allerdings nur Teil einer
Politik sein, die sich gegen den gesellschaftlichen rechten Vormarsch richtet.
In einem Bündnis mit Vertretern der reaktionären bürgerlichen Organisationen
und Teilen der „neuen Rechten“ zusammen zu arbeiten, entspricht nicht mehr diesem
Ziel. Gruppen wie der RCDS versuchen, ihre neurechte Ideologie auch in linksliberalen
Kreisen salonfähig zu machen, indem sie sich als scheinbar „antifaschistisch“
legitimieren. Gerade bei dem nun rechten AStA ist diesen Vorgehen bezeichnend
für den Versuch, seine Position in Göttingen zu festigen. DGB und die anderen
im bürgerlichen Bündnis verbleibenden Gruppen lassen diese Taktik aufgehen,
indem sie ihm und anderen rechten Gruppen ein öffentliches Forum geben.
Deshalb wird es am 15. April 2000 eine von dem DGB-Bündnis getrennte, linksradikale
Demonstration gegen den Naziaufmarsch geben. Sollten die Faschisten tatsächlich
marschieren, muss das erste Ziel dieser Aktion die Ver- oder mindestens Behinderung
des Naziaufmarsches sein - nach wie vor auf allen Ebenen, mit allen Mitteln.
Die Autonome Antifa [M] mobilisiert für 9 Uhr zum Platz der Synagoge. Von dort
wird eine Demonstration direkt in Richtung Schützenplatz, dem angekündigten
Treffpunkt der Faschisten. Auch im anderen Fall muss der revolutionäre Antifaschismus
allerdings deutlich vertreten werden. Dass der sich nicht nur gegen die Stiefelnazis
richtet, sondern gegen den nationalen Konsens, ist zwar nichts neues. Öffentlich
deutlich gemacht werden muss das aber immer wieder und gerade jetzt, wenn die
Protagonisten der neuen Rechten ins Anti-Nazi-Bündnis einziehen. Die Autonome
Antifa [M] mobilisiert unter dem Motto „NAZIAUFMÄRSCHENEUEMITTENATIONALEN KONSENS…
KIPPEN!“für den Fall, dass der Naziaufmarsch verboten bleibt, zur gemeinsamen
Demonstration des linksradikalen Vorbereitungstreffens Diese Demonstration beginnt
um 11 Uhr ebenfalls am Platz der Synagoge.