Kriegsverwendungsfähig
Berlin/Brüssel. Ein Jahr nach Beginn des Angriffskrieges der Nato
gegen Jugoslawien wird sich die EinSatz! in den nächsten Ausgaben mit seinen
innen- und außenpolitischen Folgen beschäftigen. Im diesem Beitrag geht es darum
wie der Angriffskrieg gegen Jugoslawien als bisheriger Höhepunkt der politischen
Umbrüche in der BRD als Waschmittel zur Reinigung der braunen Weste genutzt,
und wie unter rot-grün die verbrecherische deutsche Vergangenheit kriegsverwendungsfähig
wird. Der zweite Teil widmet sich der „Heimatpolitik“, der völkischen Flüchtlingspolitik
der Schengen-Staaten nach dem Jugoslawien-Krieg, in der aggressive Außenpolitik
und repressive Innenpolitik sich gegenseitig ergänzen. In einer weiteren Ausgabe
wird es um die „mediale Heimatfront“ gehen, die wie eh und je Gewehr bei Fuß
steht und die Öffentlichkeit momentan auf ein neues Schlachtfeld der Nato in
Montenegro und „Südserbien“ einstimmt. Im vierten Teil beschäftigen wir uns
dann mit der Anti-Kriegspolitik in der radikalen Linken, die zwar im Rahmen
des Krieges viel über Nationalismus debattiert, die neue Rolle der BRD und der
Nato jedoch zuwenig berücksichtigt hat.
Vorweg ein kurzer Rückblick
Am 24. März ’99 begann die Nato ihren Angriffskrieg gegen die Bundesrepublik
Jugoslawien und warf damit die Nachkriegsordnung über Bord. Dem als „humanitäre
Intervention“ maskierten Bombenhagel war eine jahrelange westliche Destabilisierungspolitik
auf dem Balkan vorausgegangen, die bereits ’91 mit der Anerkennung Kroatiens
als souveräner Staat durch die damalige Kohl-Regierung begann. 78 Tage lang
bombte die westliche Allianz mit über 1000 Kampfflugzeugen Jugoslawien in die
Steinzeit zurück, bis 30.000 Soldaten der KFOR in den Kosovo einmarschierten.
In der „befreiten Zone“ auf dem Balkan üben sich seitdem die Besatzer, in wirkungsvoller
Allianz mit der kosovo-albanischen Bevölkerungsmehrheit, in brutaler Ethno-Politik
(mehr dazu im 2.Teil). Die mörderische Kriegsführung im Namen der „Menschenrechte“,
quasi als verlängerter Arm von amnesty international, hat in Jugoslawien aber
nur einen vorläufigen Höhepunkt erreicht. Mit der Zerschlagung Südosteuropas
wurde ein Präzedenzfall geschaffen, der einen Vorgeschmack auf zukünftige „Konfliktlösungen“
gibt. Die Selbstmandatierung der Nato als weltweite Interventionsmacht bedarf
nach dem Ende der Blockkonfrontation keiner Legitimation mehr. Wer sollte die
Nato auch daran hindern?!
An der deutschen Heimatfront schwor sich eine Gemeinschaft von Kriegsbefürwortern
ganz besonderer Güte zusammen. Galt es doch, den ersten Krieg seit ’45 unter
Beteiligung eigener Kampftruppen zu legitimieren. Von ganz rechts bis in das
linke Lager hinein waren sich fast alle einig: nicht trotz, sondern wegen Auschwitz
war die Teilnahme am Krieg gegen das „faschistische serbische Regime“ (Joseph
Fischer) gerechtfertigt, die Bombardierung Jugoslawiens im Namen der „Menschenrechte“
im Grunde die Fortführung „antifaschistischer Politik“ mit anderen Mitteln.
„Nie wieder Krieg und nie wieder Auschwitz“ (hat Joseph
Fischer „gelernt“)
Die Nachkriegszeit ist vorbei. Rot-grün macht Deutschland frei von den
Fesseln, mit denen die Nation an ihre verbrecherische Vergangenheit gebunden
war. Der historische Übergang vom „Nie wieder Krieg von deutschem Boden aus“
zur „humanitären Intervention“ erforderte großes Fingerspitzengefühl an der
Front der symbolischen Kräfte und entsprechende Disziplin bei den staatstragenden
Medien und Parteien in ideologischen Streitfragen. Schließlich wussten alle
wie es aussieht. Kasernen, die nach Nazi-Generälen benannt sind, entsprechende
„Vorfälle“ in der Truppe, ein Bombenanschlag auf die Wehrmachtsausstellung,
regelmäßige Verwüstungen jüdischer Friedhöfe, der Beifall der staatlichen „Elite“
für Martin Walsers Hetzrede, der fehlende Wille zur Entschädigung ehemaliger
ZwangsarbeiterInnen.
Auch wenn im KFOR-Protektorat noch nicht alles so läuft, wie es sich die Besatzer
vorstellen, hat die BRD bereits ihr wichtigstes Kriegsziel erreicht: Die Wiedereingliederung
als militärische Großmacht mit europaweitem Führungsanspruch bei gleichzeitiger
Entsorgung der braunen Vergangenheit. Der Schatten der faschistischen Wehrmacht,
die ’40/’41 in Serbien wenige Monate vor dem Überfall auf die Sowjetunion den
Vernichtungskrieg schon geprobt hatte, wäre erneut auf die Bundeswehr gefallen,
die nun ihren ersten Krieg ausgerechnet gegen „die Serben“ führen wollte. Das
konnte nur verhindert werden, wenn Milosevic als neuer Hitler und die Bundeswehr
als antifaschistische und von jeder Wehrmachtstradition gereinigten Truppe dargestellt
werden konnte. Und das funktionierte nur durch die 68er-Generation, die ihre
Eltern so schonungslos mit deren faschistischer Vergangenheit konfrontiert hatte,
und die nun nach Lust und Laune nach den „Konzentrationslagern“ dieser Welt
Ausschau halten will.
Nach dem Krieg ist vor dem (nächsten) Krieg!
So wurde der 2. Weltkrieg mit der eigenen umfunktionierten „nationalen Katastrophe“
nachträglich doch noch gewonnen. Diesmal aber auf der richtigen Seite. Während
die Flakhelfergeneration unter Kohl zumindest noch auf die eigene Rolle verwies,
wenn von Verbrechen gegen die Menschlichkeit die Rede war, sind diese in der
rot-grünen „Berliner Republik“ nicht länger eine deutsche Last. Die als abgeschlossen
betrachtete Bewältigung der Vergangenheit wird als ausreichende Legitimation
angesehen, diese zum Exportschlager zu erheben. Fortan wird auf alle eingedroschen,
die nach rot-grüner Menschenrechtsrethorik das Etikett „feindlicher Ausländer
namens Hitler“, (Vorname austauschbar), „Konzentrationslager“, „Deportation“,
„Völkermord“ und „Genozid“ verdienen. Die positive Wendung der eigenen, negativen
Vergangenheit durch Übertragung auf andere hat selbst die nationale Rechte überrumpelt.
Hatte Walser ihnen doch allen aus der Seele palavert, von Auschwitz als „Moralkeule“
nichts mehr hören zu wollen. Nun reden sie alle davon, solange die polnische
Ortschaft gestern im Kosovo, heute in Ost-Timor und morgen in Montenegro - wo
sich die nächste vom Westen hofierte Regionalregierung zum Separatismus ermuntert
fühlt - zu finden ist. Doch ob nun „Walserisierung“ von rechts oder links, im
Ergebnis gibt es dennoch keinen Unterschied. Die Dialektik der Fischer-Chöre,
nicht nur „Nie wieder Krieg“ sondern auch „Nie wieder Auschwitz“ zu denken,
wird zukünftig in der außenpolitischen Handlungsanweisung „Nie wieder Krieg
ohne uns“ ihre Synthese finden. Eine Horrorvorstellung, die schnell Realität
werden kann, wenn die verbliebenen „heimatlosen Schutzbefohlenen“ des „jugoslawischen
Vielvölkergefängnisses“ (Rudolph Scharping) es ihren kroatischen und kosovo-albanischen
Brüdern und Schwestern gleichtun. Wie sagte doch der Erfinder des Baseballspiels
mit Menschenköpfen, Kriegsminister Scharping, als er seine Bilder von den „Konzentrationslagern“
der Weltöffentlichkeit präsentierte: „Wir haben gut recherchiert.“