Die Karawane
Jena. Abschiebung, Flüchtlingslager, Sondergesetze - die Abschottungspraktiken
der BRD sind in den letzten Jahren ständig verschärft und ausgebaut worden.
Die sog. Asyl- und Ausländergesetze haben nicht selten mörderische Konsequenzen,
und auf Drängen der BRD hat mittlerweile ganz Europa die Pforten dicht gemacht.
Diejenigen, die aus ihren Ländern vor Verfolgung, Vergewaltigung, Krieg und
Elend flüchten - also vor Folgen der Ausbeutung des Trikonts durch die Industrienationen
- werden so zur Manövriermasse degradiert, die je nach ökonomischen Interessen
als verwertbar oder eben als nutzlos eingestuft wird. Gleichzeitig werden Flüchtlingen
im Inneren die elementarsten Rechte vorenthalten und mittels staatlich geschürtem
Rassismus der Repressionsapparat hochgerüstet.
Dass es unter diesen Bedingungen für Flüchtlinge schwierig ist, politische Forderungen
zu artikulieren oder sich zu organisieren, ist klar. Unterdessen steht die Linke
vor dem Problem, dass sie zwar sensibilisierende Öffentlichkeitsarbeit und konkrete
Hilfestellung anbieten kann, sich aber kaum Möglichkeiten für eine organisierte
Gegenwehr erschlossen haben. Bislang konnte dieses Manko nicht aufgelöst werden.
Aus diesen Gründen verdient der erste Flüchtlingskongress Interesse, der von
der Karawane für die Rechte der Flüchtlinge und MigrantInnen organisiert wird.
Trotz der Repression wurde am Aufbau einer Bewegung und der Vernetzung verschiedener
Städte und Nationalitäten gearbeitet. Ziel des Kongresses, der vom 21. April
bis zum 1. Mai 2000 in Jena stattfinden wird, soll die Reflexion der bisherigen
Arbeit sein, gleichzeitig geht es aber auch darum, neue Überlebens- und Widerstandsstrategien
zu entwickeln. Die Überwindung der erzwungenen Isolation könnte der erste Schritt
auf dem Weg zur wirksamen politischen Gegenwehr sein, die nicht nur die Rechte
der ImmigrantInnen hier einfordert, sondern auch Solidarität mit dem Widerstand
in den Herkunftsländern. Obwohl Flüchtlingskongress genannt und hauptsächlich
von Flüchtlingen organisiert, ist auch die deutsche Linke aufgefordert, sich
am Aufbau des Widerstandes zu beteiligen.