1000 Nazis in Dresden

Dresden. Der größte Aufmarsch seit München am 1. März ’97 ist den Nazis am 24. Januar ’98 in Dresden gelungen. Den Aufmarsch möglich gemacht hatte die Stadt Dresden mit einem juristisch nicht standhaftem Verbot, das Oberverwaltungsgericht Bautzen, das das Verbot daher einfach aufheben konnte, und 3000 Polizisten, die die 1500 antifaschistischen GegendemonstrantInnen auf großem Abstand zur Nazi-Demo hielten und jeden Schritt einzelner AntifaschistInnen genau überwachten.

Anders, aber aus der gleichen Ideologie heraus in Wurzen: Als dort ein Zug mit ca. 300 AntifaschistInnen am Bahnhof hielt, griffen ca. 60 Nazis, darunter mehrere bekannte Kader den Zug mit Steinen an. In diesem Moment zog sich die Polizei zurück. Kurz nach Wurzen kam der Zug erneut zum Stehen. Wieder griffen die Nazis, konnten jedoch nach einer halbstündigen Auseinandersetzung von militanten Antifas vertrieben werden. Auch hier war die Polizei nicht zu sehen. Sie erwartete die Leipziger AntifaschistInnen schon am Bahnhof in Dresden-Neustadt, um sie dort festzunehmen. Die Antifas waren jedoch nach Leipzig zurückgefahren.

Der Nazi-Aufmarsch gegen die Wehrmachtsausstellung blieb allerdings vergleichsweise klein, bedenkt man, daß die NPD allein in Sachsen 800 Mitglieder hat, daß die JN ihre Bundesgeschäftsstelle nach Dresden verlegt haben und daß beide bereits seit Monaten mobilisieren. Dennoch sollte er nicht unterschätzt werden, da sich die Nazis diesmal nicht so starker Unterstützung von konservativer Seite erfreuen konnten wie in München und lange das Verbot im Raum schwebte.

Die antifaschistische Gegendemonstration unter dem Motto "Verbrechen lassen sich nicht leugnen! – Den Nazi-Aufmarsch verhindern!" war einem ständigen Polizeispalier ausgesetzt. Trotz der klaren Dominanz autonomer AntifaschistInnen stellten die Medien die Demo traditionell als DGB-, SPD-, Grünen- und PDS-Veranstaltung dar. Diese künstliche Medienrealität muß weiterhin in die Konzeption antifaschistischer Aktionen einbezogen werden, da sie nur durch eindeutige Symbolik und ebenso eindeutige Aktionen auszuhebeln sein kann.

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