AStA bleibt links von rechts
Göttingen. Vom 20. bis 23. Januar ’98 war Göttingens zu Streikzeiten Ende letzen Jahres noch so "politisch engagierte" Studierendenschaft wieder mal zur Wahl aufgerufen. Wie wenig von den teilweise durchaus systemkritischen Parolen und Forderungen geblieben ist, zeigt das Wahlergebnis: So gingen rund 5% weniger zur Wahl als letztes Jahr, aber da galt es ja den rechten AStA zu kippen, ein Anlaß also die Faulheit mal zu überwinden. Schwerwiegender aber noch, daß auf die nach der Auflösung der LiFaBa (Linke Fachschaften/ Basisgruppen) letzten beiden linksradikalen Listen, die Frauenliste und AL (Antifaschistische Liste), lediglich 5 Sitze entfielen. Spannend ist jetzt eigentlich nur noch, ob die Reform-Linken, die OLLAfA (Offene Linke Liste – AStA für Alle) mit 8 Sitzen und die GHG (Grüne Hochschulgruppe) mit 11 Sitzen, sich gegen die SPD-Kaderschmiede Juso-Hochschulgruppe (6 Sitze) durchsetzen, und die Antifa-Liste in den AStA aufnehmen. Im letzten Jahr hatten sich die Jusos geweigert einen AStA gemeinsam mit der AL zu bilden, für dieses Jahr haben sie gleiches angekündigt. Ein AStA mit der Frauenliste als einziger linksradikalen Kraft ist jedenfalls nicht als links zu bezeichnen, sondern nur als nicht rechts.
Dennoch bleibt positiv zu bemerken, daß ohne spektakulären Wahlkampf die linken und die nicht-rechten Uni-Gruppen immer noch über eine deutliche Mehrheit gegenüber den Rechten verfügen: Das Stimmenverhältnis im StudentInnenparlament steht 30 zu 24 gegen rechts. Die LHG (Liberale Hochschulgruppe), die einen üblen Totalitarimus-Wahlkampf mit Gleichsetzung von Hakenkreuz und Hammer und Sichel führte, hat mit einem Sitz weiterhin einen zuviel, die ADF bleibt mit 12 Sitzen die stärkste Fraktion, der saumagen- und burschenschaftsnahe RCDS kommt auf 11 Sitze.
Zu mehr Verständnis dafür, daß der Fehler nicht im System liegt, sondern das System ist, scheint der Uni-Streik 1997 in Göttingen also nicht beigetragen zu haben. Der nächste AStA wird sich wohl auch nicht darum bemühen. Bleibt lediglich die Hoffnung, daß er möglichst wenig neue Schröders, Westerwelles, Kanthers und Fischers produziert.
|
|
|