Einzelfälle sind normal
Magdeburg. Wieder einmal wurde Magdeburg, schenkt man den Worten des Bürgermeisters glauben, von einem "bedauerlichen Einzelfall" heimgesucht. Solche "Einzelfälle", offenbar seit Jahren Normalität in Magdeburg, sind nicht gut für das Image der Stadt. Also war auch der Mordversuch an dem 23jährigen Punk Gordon Gafert am 3. Januar ’98 wieder nur ein "Einzelfall". 13 Nazi-Skins hatten eine Gruppe von Punks in deren Wohnung gezielt und geplant angegriffen. Gordon konnte nicht mehr fliehen und wurde so von Nazis abwechselnd brutal zusammengeschlagen. Er erlitt mehrere Schädelbrüche und schwebte mehrere Tage in Lebensgefahr. Gegen vier der 13 beteiligten Nazi-Skins wurde Haftbefehl erlassen. In der Wohnung suchten die Nazis eigentlich Peter Böttcher (19), den Bruder des 1997 von Faschisten ermordeten Frank Böttcher, damals auch als Einzelfall deklariert. Genauso wie der Mord an Torsten Lamprecht 1992 oder die Hatz von Nazis auf potentielle AusländerInnen im Mai 1994. Betrachtet man den Magdeburger Alltag ergibt sich ein regelrechte Kette aus faschistischen Übergriffen, die jedes Mal als Einzelfall, Folge von Alkoholmißbrauch oder als Auseinandersetzungen zwischen Jugendbanden bezeichnet werden. Das Klima in Magdeburg ist jedoch geprägt durch den faschistischen Straßenterror. Die gerade im Osten ausgeprägte rechte Subkultur, gefördert durch Projekte der faschistische Strukturen schaffenden akzeptierenden Jugendarbeit, findet auch in Magdeburg, besonders in Stadtteilen wie Neu-Olvenstedt, ihren Ausdruck. Daß dies von Seiten der Politik, Polizei und Justiz gerne ignoriert wird, ist logisch, gilt ihre Aufmerksamkeit doch eher den linken "Chaoten" als den Nazis, die ja eigentlich nur mal richtig "saubermachen" wollen und exakt die gleichen Menschen angreifen, die Kanther, Schröder und Co. mit ihrer neuen "Aktion Sicherheitsnetz" aus den Städten vertreiben wollen.
Magdeburger AntifaschistInnen mobilisieren jetzt, nach mehreren regionalen Demos, zu einer bundesweiten Antifa-Demonstration am 8. Februar um 13 Uhr, um Öffentlichkeit zu schaffen und "endlich Wut und Trauer in Widerstand zu wandeln!".
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